Natürlich kann ich hierbei nur von mir persönlich reden und das Gerede auch nicht mit bio-, neuro- oder psychologischen Erklärungen unterstützen. Logisch ohne Bio, Neuro und Psycho könnte es dem ein oder anderem trotzdem vorkommen.
Auf jeden Fall habe ich bemerkt, dass ich mich manchmal _weniger gut_ konzentrieren kann und _weniger produktiv_ bin, wenn nebenher _keine Musik_ läuft, _keine Tweets_ rechts oben am Bildschirmeck auftauchen oder der Nachbar einmal nicht sein Haus angezündet hat, sodass ich nicht abgelenkt bin von seltsamen Rhythmen, belanglosem Schmutz™ aus der Blogospähre oder Feuerwehrautos und einem Aufgebot an Schaulustigen. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum das so sein könnte oder ob nur bei mir der Nordpol unten ist. Nachdem ich aber bei downforeveryoneorjustme.com nachgesehen habe, ob my-concentration.com eventuell doch für jeden etwas neben der Spur ist und mir die Website aufmunternd zusteckte, dass doch nicht nur ich ein Problem habe, wurde mir klar, dass ich die Welt nicht im Dunkeln stehen lassen kann und weiter forschen muss über die seltsamen Anomalien der abgelenkten, nicht-abgelenkten Schrödingerkatze in unserem Kopf.
Die Geschichte, wie ich zu der eventuellen Erklärung kam, war natürlich gelogen. Nicht gelogen war aber, dass einmal der Nachbar sein Haus anzündete. Er werkelte an irgendetwas mit Benzintank und rauchte nebenher genüsslich eine Philip Morris. Abgesehen davon, dass Rauchen ohnehin ungesund ist, vereinte der gute Mann sein Laster mit einem weiteren Laster, wobei letzteres wohl weniger ein Laster, sondern eher ein Zweirad-Kfz war.
Aber ich schweife ab, was vielleicht daran liegen mag, dass mich nicht genug um mich herum nervt und ablenkt. So, naja, also die Lösung könnte doch sein, dass unser Gehirn ein gewisses Maß an Auslastung benötigt, gekoppelt natürlich an so etwas wie die aktuelle Sitzposition – bei aufrechter Sitzposition wird man tendenziell mehr Auslastung brauchen, im Liegen weniger – und noch so ein paar andere Parameter. Wenn ich z.B. mich gerade auf einen Wikipedia-Artikel konzentrieren möchte, und keine Tweets aufpoppen, steigt die Chance, dass sich meine Maushand eigenmächtig Richtung Blogstatistik-Tab bewegt und mich vom Lesen abhalten möchte. Je nachdem, wie viel die Haupttätigkeit an Aufmerksamkeit verschlingt, desto mehr oder weniger Nebentätigkeiten muss ich verfolgen. Ist der Wikipedia-Artikel schwer verständlich, oder muss ich womöglich alle 300 Sprachen durchchecken, bevor ich einen Artikel bekomme, der noch nicht gelöscht wurde, dann nerven mich die Tweet-Popups auch. Aber nur, weil mein Verlangen nach Beschäftigung schon erfüllt ist. Höchstens ein Regentropfengeplätscher am Fenster passt da noch rein. Wohingegen bei seichter Lektüre vor meiner Tür schon deutlich mehr als ein Dinosaurier-Wettrennen stattfinden muss, damit meine Synapsen ausgelastet sind und ich mich voll auf den Text konzentrieren kann.
Euch geht es allen genauso wie mir, das weiß ich. Man braucht die Ablenkung, man braucht sie einfach.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
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